Home/2014, Aus der Presse, Unternehmen/„Ohne mein Team könnte ich einpacken“

Rheinländer sind aufgeschlossene Menschen, so sagt man. Immer offen für Neues. Auf Clemens Schmees trifft das zu. In seinem Betrieb kommt ihm diese Eigenschaft besonders zugute: An den Standorten Langenfeld bei Düsseldorf und Pirna in Sachsen produzieren die Edelstahlwerke Schmees Gussteile aus Edelstahl. Abnehmer sind überwiegend Kunden aus der Pumpen-, Armaturen- und Lebensmittelindustrie sowie aus dem Turbinenbau. Energie ist für die Firma eine der wichtigsten Ressourcen im Tagesgeschäft – und eine mit einem enormen Einsparpotenzial, wie Schmees festgestellt hat.

Eine neue Möglichkeit, um Edelstahl energieeffizienter herzustellen, bot sich dem Geschäftsführer vor knapp vier Jahren. Damals hatten seine Mitarbeiter die Idee für den Einsatz einer innovativen Technologie zum Aufheizen der Transportpfannen: Anstelle der vier herkömmlichen Brenner mit ihrem hohen Energieverbrauch, die die Pfannen nur punktuell erhitzen und noch dazu laut und wartungsintensiv sind, sollten neuartige Porenbrenner installiert werden. Federführend war hierbei das noch junge Unternehmen Promeos.

Das Heizprinzip der neuen Brenner besteht in erster Linie aus den Verfahren der Infrarotstrahlung und Konvektion, Hierdurch wird die Verbrennungswärme auf Strahlrohre übertragen, die exakt an die Pfannen angepasst sind. Der Effekt: Die Pfannen werden direkt und gleichmäßig aufgeheizt und erreichen noch dazu eine höhere Temperatur. Und da bei diesem Verfahren auch weniger Hitzestrahlung entsteht, verringert sich der Energieverbrauch insgesamt deutlich: Rund 61 400 m3/a Erdgas, etwa 60 Prozent der Energie für die Pfannenbeheizung, kann der Betrieb hiermit einsparen. „Ein echterwirtschaftlicher Vorteil“, sagt Schmees. Und das gerade für ein Unternehmen wie seines, das Energiekosten von insgesamt etwa drei Millionen Euro im Jahr hat.

Weitere Pluspunkte dieser innovativen Technologie: Es entsteht weniger Lärm, und die erfassten Abgase können für Sekundäranwendungen genutzt werden. Noch dazu sind die Pfannen nach Schmees Angaben länger haltbar, da ihr Innenraum durch die Infrarotstrahlung weniger stark beansprucht wird – eine Verbesserung also auch in puncto Materialeffizienz. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) hat das Projekt mit einem Zuschuss von knapp 55 O00 Euro aus dem Umweltinnovationsprogramm unterstützt. Beraten und begleitet wurden Schmees und sein Team dabei von der Effizienzagentur NRW (EFA NRW), Von dem Erfolg des Projekts hatten sich über 50 Gießereien überzeugen lassen, etwa 30 von ihnen nutzen mittlerweile ebenfalls die neue Technologie.

Ökologisches Verantwortungsbewusstsein

Die Pfannenaufheizstation ist für den Unternehmer eine von vielen Maßnahmen zur Schonung der Ressourcen. Eine weitere ist etwa die Einführung eines Energiemanagementsystems gemäß ISO 50001, Durch die entsprechende Zertifizierung kann die Firma ihre EEG-Umlage reduzieren, „Kostenersparnisse sind für alle, die im Wettbewerb bestehen möchten, ein Anreiz. Wichtig ist uns aber auch, dass wir uns als ökologisch verantwortungsbewusstes Unternehmen im Markt positionieren“, so Schmees, Und die Verantwortung, die der Betrieb trägt, ist groß: Mehr als 30 Millionen kWh Energie im Jahr benötigen die Edelstahlwerke Schmees an ihren beiden Standorten. Ein großer Anteil entfällt dabei auf den Schmelzbetrieb. Oder wie Clemens Schmees es salopp ausdrückt: „Wir kochen täglich etwa zehn Töpfe Suppe.“

Die Abwärme, die bei diesen und anderen Produktionsprozessen entsteht, wird zum großen Teil zur Beheizung der Hallen und Verwaltungsgebäude genutzt – im Bürotrakt in Pirna seit Kurzem sogar zu 100 Prozent. Aber auch jede kleinere Maßnahme kann ein wichtiger Schritt sein, um die Energiebilanz insgesamt zu senken. Hierzu gehören zum Beispiel Bewegungsmelder zur Beleuchtung der Gänge. Oder spezielle Brenngestelle, durch die der Ofenraum optimal genutzt wird. Solche Ideen fallen aber nicht vom Himmel, sondern sind Ergebnis der täglichen Arbeit mit den Maschinen und Materialien.

Hierbei zählt Unternehmer Schmees vor allem auf seine insgesamt 370 Mitarbeiter: „Ohne sie könnte ich einpacken.“ Ihre Vorschläge zur Verbesserung betrieblicher Abläufe und zum energieeffizienten Handeln sind ausdrücklich erwünscht. Wer einen Einfall zum Umgang mit Ressourcen hat, der der Firma einen besonderen Nutzen bringt, erhält eine Prämie, Um bei den Materialien das Beste herauszuholen und gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, arbeitet Schmees auch mit Hochschulen und Forschungsinstituten wie der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) zusammen. „Jedes Kilogramm Nickel, das wir einsparen können, ist richtiges Geld wert“, so der Geschäftsführer.

Unternehmerische Weitsicht

Maßnahmen wie diese scheinen für den 57-Jährigen aber keine Antwort auf den Nachhaltigkeitshype zu sein: Umweltbewusstsein und unternehmerische Weitsicht gehen für ihn seit jeher Hand in Hand, sagt er. Mindestens seitdem er 1990 den Betrieb von seinen Eltern übernommen hat. Trotzdem hat er als Geschäftsführer in zweiter Generation auch schon ein paar Tiefen erlebt.

Zum Beispiel als es am Standort Langenfeld Anfang der 1990er Jahre zu einem Schwelbrand in einer Halle kam, durch den die Produktion komplett stillstand, „Und das bei vollen Auftragsbüchern“, erinnert sich Schmees. Damals, kurz nach der Wende, war er gerade im Gespräch mit Pirna: Die Übernahmeverhandlungen für das dortige marode Werk waren bis dahin erfolglos verlaufen. Und um die Edelstahlwerke Schmees stand es in dieser Zeit ohnehin nicht gut. Aber die Firma brauchte nach dem Brand im Rheinland dringend Unterstützung: Schlosser und Elektriker vor allem, die die Anlagen möglichst schnell wieder in Gang bringen konnten. Warum also nicht die Mitarbeiter aus Sachsen anheuern? Durch sie konnte der Betrieb schon nach einer Woche seine Arbeit wieder aufnehmen.

„Und wenn dann 59 Mann vor einem stehen, die alle einen super Job gemacht haben, kommt man schon ins Grübeln“, sagt Schmees. Er entschied sich also doch für den Unternehmenskauf – und hatte mit Pirna gleichzeitig einen strategisch guten Standort gewonnen: Von hier aus kann er heute auch Kunden aus der Wirtschaftsregion Dresden gut bedienen Wenn Clemens Schmees von diesen harten Erfahrungen berichtet, klingt bei ihm auch ein Stück Gottvertrauen an. Und Dankbarkeit für das, was er mit seinem Team über all die Jahre schon erreicht hat.

Artikel erschienen in der : bdgreport Ausgabe 04/2014
von Elena Winter

Dr. Elena Winter ist freie Journalistin in Düsseldorf.

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Pressebericht bdg Report vom 26.08.2014

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Letzte Änderung: 30.09.14

26.08.2014|